Förderpreis Verein(t) für gute Schule 2016

Willkommenskultur & Vielfalt

Foto Stiftung Bildung
Peter Himsel, Förderpreis "Verein(t) für gute Schule 2016"

Das Lernpatenprojekt des Schulfördervereins und der Gerhart-Hauptmann-Grundschule Grünheide (Mark) aus dem Land Brandenburg ist ein sehr Besonderes. Die Jury würdigte dieses herausragende Engagement mit einer Auszeichnung mit dem Förderpreis Verein(t) für gute Schule 2016.

Normalerweise ist es so:
Menschen kommen nach einer aufreibenden, anstrengenden und gefährlichen Flucht aus ihrem Heimatland in Deutschland an. Die Familien werden auf verschiedene Regionen verteilt. Die Gemeinden organisieren Unterkünfte. Diese Zeit kann lang werden: Bürokratie braucht Zeit, provisorische Unterkünfte wollen gesucht, dauerhafte Bleiben wollen gefunden werden. Endlich angekommen, manchmal erst nach Wochen oder Monaten, können geflüchtete Kinder in die Schule gehen.  


Grünheide ist anders.
Hier gibt es einen Schulförderverein, der sich von Anfang an  um Kontakte zu den Flüchtlingsfamilien und speziell zu den Kindern bemüht hat. „Schon lange bevor von der Gemeindeverwaltung, zusammen mit der Kirchengemeinde, ein Unterstützerkreis gegründet wurde, wurde im Förderverein über mögliche Willkommensaktionen geredet“, sagen die Aktiven.
In Sachen Willkommenskultur und Integration wurde der Förderverein der Grundschule zum Treiber innerhalb der Gemeinde. Die Mitglieder engagieren sich im Unterstützerkreis, begleiten Geflüchtete bei anfallenden Bank-, Arzt- und Amtsterminen und helfen bei der Wohnungssuche.
Die Zeiten, in denen die Engagierten Zweifler überzeugen und sich couragiert rechten Hetzern entgegenstellen mussten, sind vorbei. Die Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinde trägt Früchte und die neu hinzugekommenen Mitbürger fühlen sich wohl in ihrer neuen Umgebung.
„Die ortsansässigen Kinder haben sich förmlich darum gerissen, die neuen Schülerinnen und Schüler zu unterstützen“, berichten die Engagierten. „Es findet ein intensiver Austausch und Kontakt über die Kinder statt und verändert auf diese Weise die Haltung und Perspektive derer, die ursprünglich kritisch waren und somit die Atmosphäre in der ganzen Gemeinde hin zu einer vielfältigen und willkommenheißenden Kultur.“

Zu den Preisträgern im Einzelnen...



Die nominierten Fördervereine der Brandenburger und Berliner Schulen für den Förderpreis „Verein(t) für gute Schule“

Die „Fichte“ – außergewöhnliches Jugendengagement mit Wirkung
Das Projekt „Kampf gegen Rassismus-AG“ steht in der langen Tradition der Fichtenberg Oberschule und ihrer Schülerschaft, sich für die Inklusion benachteiligter Menschen einzusetzen. Die „KAGERA“ knüpft an die frühere „Friedens-AG“ an, die sich für eine gerechtere Gesellschaft einsetzte. Die KAGERA legt den Schwerpunkt ihres Engagements auf die antirassistische Arbeit und setzt damit heute ein deutliches Zeichen für Willkommens-Kultur. Schüler*innen im Alter von 13-19 Jahren gestalten aktiv Schulkultur mit. Auch wenn engagierte Lehrkräfte und der FV unterstützen, die Ziele und Aktivitäten werden durch die Schülerinnen und Schüler selbst definiert und umgesetzt. Aktuell ist die Inklusion der neuen Mitschüler*innen der Willkommensklassen das zentrale Handlungsfeld.
 
Gerhart-Hauptmann-Grundschule Grünheide (Mark) – engagierte Lernpatenschaften mit Ausstrahlung
In Grünheide (Mark) kamen im November 2015 etwa 50 Neubürger*innen aus Syrien, Afghanistan und Tschetschenien an. Es handelt sich größtenteils um Familien mit zahlreichen Kindern. Der Schulförderverein hat von Anfang an den Kontakte zu den Familien und speziell zu den Kindern gesucht. Schon lange bevor von der Gemeindeverwaltung, zusammen mit der Kirchengemeinde, ein Unterstützerkreis gegründet wurde, wurde im FV über mögliche Willkommensaktionen geredet und ein Lernpatenschaftssystem entwickelt. Dabei wird mit großem Engagement gegenseitiges Lernen und eine echte Inklusion ermöglicht, der Lernort geöffnet und Vielfalt und Begegnung erlebbar gemacht. Eine weltoffene Schulkultur, die auf die Gemeinde ausstrahlt.
 
Die Grundschule Bestensee – die „Glücksfinder“
Die Gemeinde Bestensee und damit auch unsere Grundschule befindet sich im Spannungsfeld von Ablehnung und Zustimmung gegenüber dem im Juni 2014 eröffneten Übergangsheim. Hier wollen wir als Schule ein Beispiel setzen und eine Kooperation zwischen Asylbewerberheim und Schule anregen, die es interessierten Flüchtlingen ermöglicht sich in der Schule zu engagieren und mit ihren Fähigkeiten einzubringen. Indem sich Lehrkräfte, Kinder u. Flüchtlinge gemeinsam auf „Die Suche nach dem Glück“ begeben verschwimmen die Grenzen zwischen Eigenen und Fremden, Vielfalt wird erfahrbar und bietet die Chance als etwas Bereicherndes erlebt zu werden. In den Workshops - auch mit außerschulischen Künstler*innen, Theater-/Musikpädagog*innen - bringen sich alle unabhängig von ihrer Herkunft aktiv ein, setzen sich mit Glückserfahrungen, -gefühlen und -anlässen konstruktiv auseinander, lernen und profitieren voneinander und erkennen, dass die Suche nach dem Glück für alle Menschen gleichermaßen wichtig ist.